









Ein Stipendienprogramm in Kooperation mit dem Amt Neuzelle und der Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft e.G., im Rahmen des Forschungsprojekts »Von Erntehelfern und Raumpionieren – Strategien der Kooperation zwischen künstlerischen Hochschulen und Akteuren im ländlichen Raum«.
Es war Januar, als acht Studierende aus Malerei, Grafik und Architektur der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee nach Neulewin im Oderbruch geschickt wurden. Sie wurden im Dorf einquartiert, bekamen einen Arbeitsraum und machten sich daran, ein leerstehendes Gebäude aufzumessen, das künftig als Kulturhaus dienen sollte und für den Sommer ein Festival zu planen, in das das ganze Dorf eingebunden werden sollte. Nach einem Monat fuhren sie zurück nach Berlin. Das Festival fand wie geplant statt – im Sommer 1960 – und die Hochschule unterschrieb einen Kooperationsvertrag mit dem Dorf.
Eine der Studentinnen – Erika Stürmer-Alex – begann mit Laienkünstlern ins Oderbruch zu fahren und organisierte ein kleines Haus, das als Ausgangspunkt künstlerischer Erkundungen diente. Der Grafiker Dieter Kahl vermittelte leerstehende Höfe an Studierende der Hochschule. Es sind diese Netzwerke, in denen heute das dichte Kulturangebot im Oderbruch wurzelt.
Vor dem Hintergrund ganz anderer Vorzeichen – in Berlin frisst eine kapitalgetriebene Stadtentwicklung die letzten Räume für gestalterische Experimente, während zum Beispiel in Eisenhüttenstadt die Folgen der Deindustrialisierung nach wie vor Lücken in Stadt, Gemeinwesen und Familien reißen – möchten wir an die Praxis der Kunsthochschule Weißensee in den 1960er Jahren anknüpfen: Absolventen gestalterischer Studiengänge sollen die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten in kulturelle Initiativen in der Fläche einzubringen.
Im Juni und Juli 2025 erhielten vier Absolventinnen und Absolventen ein Stipendium, um in Neuzelle und Eisenhüttenstadt die Wiederbelebung brachliegender Kulturhäuser zu unterstützen.
Beteiligte Personen:
Carla Baumeister
Enzo Agger
Konstantin Hildebrandt
Lene Zech
Unterstützt von:
Steffen Schuhmann