









Im Sommer 2024 beschäftigte sich studio mut.und.anmut damit, wie wir heute vom Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus erzählen können. Es ging darum, etablierte Narrative zu hinterfragen, Widersprüche auszuhalten und eine eigene Sprache – in Wort und Bild – zu finden, die geeignet ist, heute politisch wirksam zu werden. In der Hochschule, an Orten die uns vertraut sind, womöglich in der eigenen Familie.
Fixpunkte des Projekts waren drei Workshops: »Was war hier los?« lud Studierende des ganzen Fachgebiets visuelle Kommunikation ein, Plakate zu entwickeln, die widerständiges Verhalten vergessener und bekannter Menschen im Kampf gegen den Nationalsozialismus überliefern. »How to walter« suchte gemeinsam mit Studierenden aus Paris, Zagreb und Sarajevo nach einem Zeichen, hinter dem wir uns heute gegen antidemokratische Bewegungen versammeln können. Mit Studierenden der Klasse Illustration der Universität der Künste Berlin suchten wir – mit Blick auf die Bundestagswahl 2025 – nach »Metaphern des Politischen in der Natur«.
Was war hier los?
Während eines fünftägigen Workshops in Sauen recherchierten wir Biografien und Orte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus – mit besonderem Blick auf die Rolle, die Visuelle Kommunikation dabei spielte. Wir begannen unsere Suche in unserem eigenen Umfeld: In den Vierteln und Straßen, in denen wir heute leben. Was wir herausfanden, verdichten wir. Mit starken Bildern und wenigen Worten kamen wir zu plakativen Botschaften, die eine Ahnung davon geben, was konkret Widerstand war.
How to walter?
»Wer ist Walter?« ist ein europäisches Forschungsprojekt, dass sich mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus beschäftigt. Im Mai lud es Studierende aus Zagreb, Paris, Sarajevo und uns zu einem gemeinsamen Workshop in Sarajevo ein. Es ging darum, ein Zeichen zu entwerfen, unter dem sich heute Menschen im Widerstand gegen autoritäre oder rechte Bewegungen versammeln können. In Bosnien, in Kroatien, Frankreich und in Deutschland. Ein neues Zeichen – ohne Rückgriff auf eine etablierte politische Ikonografie. Eines, das riesengroß und winzig klein funktioniert. In den Straßen. Und im Netz. Bei Tag und Nacht. Bunt oder einfarbig. Bewegt im Film, gezeichnet auf Papier, gemalt an Wände, gestickt auf die Jacke. Ein Zeichen, das wir zu zweit flüstern. Und zu tausenden schreien. Entstanden sind zwei Zeichen – Sterne, gebildet aus fünf Händen – die für Solidarität, Vertrauen und Gemeinsamkeit stehen.
Auf der Suche nach Metaphern des Politischen in der Natur. Gemeinsam mit den Studierenden der Klasse Illustration der Universität der Künste fuhren wir nach Brandenburg. In den Bäumen hingen Kirschen. Und an den Laternen die Kandidaten der Europa- und der Kommunalwahl. Landtagswahl in Brandenburg wird sein, wenn sich die Blätter braun färben. Wir schlugen uns querfeldein und forschten nach Metaphern des Politischen in der Natur, gaben uns Tiernamen, suchten nach Zecken und banden uns Bären auf. So bereiteten wir die Bundestagswahl vor – damit aus dem Parlament kein Saustall wird.
Beteiligte Personen:
Andi Mazreku
Ante Jurcevic
Elis Gerber
Jonas Lelewell
Renee Klaßen
Steffen Schuhmann
Tim Loose
Wencko Dickhut